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Schnitzen

Schnitzen kennen wir alle noch aus unseren Kindertagen, wo wir mit einem mehr stumpfen als scharfen Taschenmesser an irgendwelchen Ästen herumgesägt haben, um so etwas ähnliches wie kleine Figuren in Menschen- oder Tiergestalt zu fabrizieren. Manche von den Menschlein ähnelten dabei vielleicht sogar der Venus von willendorf und hatten klangvolle Namen.
Michel von Lönneberga hatte eine ganze Sammlung davon, wie man sich vielleicht erinnert.

Seit diesen Kindertagen hatte ich kein Messer mehr zum Schnitzen in der Hand, bis sich die ersten hölzernen Gegenstände in unserem Fundus einfanden. Plötzlich erwachte der Wunsch, seinen Kram individuell zu gestalten und zu verzieren, und mein grosser Holzteller von Ikea, der aus völlig unmittelalterlichem aber dafür plantagenangebautem Gummibaumholz besteht, war mein erstes Versuchsobjekt. Mehr schlecht als recht habe ich dort mühsam die Konturen eines Hundeviechs eingeritzt, mühsam deshalb, weil dieses Holz zum Beschnitzen wegen seiner Faserigkeit extrem ungeeignet ist. Der Teller ist mittlerweile kaputt, aber das ist nebensächlich.

Mit dem Ergebnis halbwegs zufrieden war ich nun ermutigt, meine Künste an etwas grösserem zu versuchen.
Also habe ich mir im Baumarkt einen Kerbschnitzsatz besorgt, der sehr billig zu haben, allerdings seinem Preis entsprechend auch miserabel verarbeitet war. Die Messer waren fast alle stumpf und der Grundschliff, der nur rudimentär zu erkennen war, ziemlich lausig.
Da es aber kein gehärteter Stahl war, liessen sich einige der Messer sehr gut über den Schleifstein ziehen und wurden nach unermüdlichen “Geschabe” recht scharf.

Also durfte das nächste Objekt ruhig kommen und es traf ein in Form einer Stuhllehne.
Das Ergebnis ist in der Galerie unter Handwerk neben anderen inzwischen entstandenen Stücken zu bewundern.

Meine aktuelle Arbeit ist nun eine kleine Wiki-Truhe, an der ich ein paar Arbeitsschritte zeigen und erklären möchte. Allerdings muss ich vorher darauf hinweisen, dass ich die Kerbschnitzerei NIE fachmännisch gelernt habe. Ich habe hier und dort mit den Augen geklaut und meine eigene Technik entwickelt, die aber vielleicht auch gar nicht so falsch ist.

Das ist die kleine Holztruhe.
Die Masse betragen: Deckelbreite längs 29 cm, Höhe 19 cm, Deckelbreite quer 17 cm.
Durch die Perspektive sieht die Truhe genau rechteckig aus, sie ist aber wie eine grosse Wiki-Truhe nach oben konisch zulaufend. Das Material ist Fichtenholz, das beim Sägen abgefallen ist, und sich für Anfänger sehr gut eignet, da es recht weich ist.

 


 

Auf dem Deckel kann man erkennen, dass das Muster, das geschnitzt werden soll, bereits aufgemalt, und die Aussenkontur fast fertig angelegt ist.
Die Vorlage wurde mit Kohlepapier direkt von der Originalzeichnung mit einem spitzen Stift auf das Holz gepaust. Der Vorteil davon ist, dass sich der Kohlepapierstrich nicht so leicht abreibt wie Bleistift, und man kann die Position des Musters exakt festlegen. Das Kohlepapier vor dem Durchpausen gut mit Tesafilm auf das Holz kleben. Wenn man beim Durchpausen ausserdem noch einen andersfarbigen Stift als den der Zeichnung benutzt, sieht man sofort, ob noch eine Linie fehlt.
Auch schön zu erkennen sind das Astloch mitten im Ornament und die etwas härteren Holzfasern, die sich als dunkle Linien auf dem Holz abzeichnen. Sie werden noch einen kleinen Knackpunkt an der Arbeit bilden, da sie wesentlich härter als das übrige Holz sind, und man hier gut aufpassen muss, dass man nicht mit dem Messer abrutscht, oder das Holz ausbricht.

Um eine Kontur zu schnitzen, schneide ich zunächst die vorgezeichneten Linien tief ins Holz hinein. Wichtig dabei ist, mindestens so tief zu schneiden, wie man die Kontur später im Holz anlegen möchte. Ausserdem sollte man darauf achten, dass harte Fasern im Holz vollständig durchtrennt werden, damit später nichts ausbricht.

 

 

Um nun das nicht benötigte Holz rund um die Kontur zu entfernen, sticht man mit dem Messer ein Stück vor der ausgeschnittenen Linie schräg ins Holz, und schneidet es in diesem Winkel in Richtung Linie hin weg. Wenn das Messer scharf genug ist, reicht eine schiebende Handbewegung mit wenig Druck aus. Wichtig ist, dass das Holz nicht weggehebelt, sondern tatsächlich geschnitten wird, da es beim Hebeln ausbrechen kann.
Sollte dies tatsächlich mal passiert sein, ist das aber kein Grund zum Verzweifeln. Das weggesprengte Holzstückchen sorgfältig einsammeln, und mit einem kleinen Tröpfchen Holzleim wieder ankleben. Gut festdrücken nicht vergessen! Ist der Leim ausgehärtet, lässt sich diese Stelle mit etwas Gefühl problemlos weiter bearbeiten.

Nun sind alle Konturen fertig angelegt, und die Feinarbeit kann beginnen.
Da das Ornament im Wesentlichen aus einem Knotenmuster besteht, bei dem sich die Linien über- und unterschneiden, sollte das auch im Holz angedeutet werden. Also werden nun alle Linien, die unter einer anderen verlaufen, an der äusseren Kante abgeschrägt, damit der Eindruck entsteht, als würden sie im Holz unter deiner anderen verschwinden.


 

Da das Ganze nun immer noch ziemlich roh aussieht, verpassen wir unserem Motiv erst einmal einen Schliff mit feinem Schmirgelpapier. Um in die teilweise recht schmalen Zwischenräume zu gelangen, kann man das Schleifpapier knicken, und so die Seiten der Kontur erreichen.
Mit dem feinen Abschleifen entfernen wir gleichzeitig den Kohlepapierstrich, der noch überall zu sehen ist.

 


Jetzt kann man sich das Motiv genauer anschauen um festzustellen, an welchen Ecken noch ein wenig nachgearbeitet werden muss. Das kann z.B. die Tiefe einer Kontur sein, ein Übergang, der noch nicht so gelungen ist, eine Rundung, die nachgebessert werden muss, oder einfach nur eine Ecke, die man vergessen hat.

 Ist man dann mit seinem Werk zufrieden, sollte man nochmals sorgfältig alles mit Papier nachschleifen und das Ganze anschliessend gut abstauben.
            
                       


Welche Art der Versiegelung man dann zum Schluss wählt, überlasse ich dem persönlichen Geschmack. Ob gebeizt, geölt, gewachst oder sogar lackiert - ein handgeschnitztes Motiv auf Holz sieht IMMER gut aus!



Von einem möchte ich abschliessend allerdings noch abraten:
Im Zeitalter der modernen Technik verführt es sehr dazu, sich diese Technik auch zu Nutze zu machen, und manch einer mag denken: Ist ja gut und schön mit der Schnitzerei, aber ich mach das dann doch lieber mit dem Dremel.......
Ich habe es - bequem wie ich von Natur aus nun mal bin - auch mal ausprobiert, aber das Ergebnis war lange nicht so überzeugend wie das von Hand geschnitzte.
Man muss bei weichem Holz höllisch aufpassen, dass einem der Fräser nicht zwischen den harten Fasern verläuft, wodurch eine unregelmässige Fläche entsteht, und auch mit einem feinen Aufsatz zerreisst man nur die Holzoberfläche.

Allerdings kann man einen feinen Schleifstein auf dem Dremel dazu verwenden, sich die Arbeit des Abschmirgelns zwischen den Konturen zu erleichtern, aber bitte sehr vorsichtig, denn auch hier kann bei weichem Holz eine unregelmässige Oberfläche entstehen, und man hat sich im Nu die mühsame Handarbeit ruiniert!

                                         Rigani