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Zeittafel der verschiedenen Stilarten der Wikinger:

                Vor 750 Broastil

750 - 840

Berdal- / Oseberg

835 - 970

Borre

880 - 1000

Jellinge

950 - 1060

Mammen

980 - 1080

Ringerike

1035 - 1150

Urnes



Vielfältige Quellen über die verschiedenen Kunststile der Wikinger sind uns durch die zahlreichen Funde in Form von Schmuck, Schnitzereien oder Bildhauerarbeiten überliefert worden.

Waren im 8 Jh. im nordischen Raum pflanzliche Ornamente noch weitestgehend unbekannt, hielten Blätter, Ranken oder Spiralen in Pflanzenform zu Beginn des 9. Jh. ihren Einzug.
Lange gehalten haben sie sich allerdings nicht, denn bereits in der Mitte des 9. Jh. verschwanden sie bereits wieder, um sich dann erst im 10 Jh. wieder zu etablieren.

Eine sehr frühe Stilrichtung (ca. 800-875) ist der Berdalstil , der als erste eigene Stilrichtung angesehen werden kann.
Er bildete den ersten Abschnitt der sogenannten Greiftierornamentik und bestimmte auf diese Weise den weiteren Kunststil des 9. Jh.
Die zahlreichsten Belege hierfür gibt es in Form von Metallfunden, wie z.B. Schalenspangen.
Seinen Namen hat der Berdalstil übrigens von seiner Fundstelle im westlichen Norwegen.
Bekannter dürfte diese Stilrichtung allerdings durch die Osebergfunde geworden sein, die ein einzigartiges Zeugnis der handwerklichen Künste in Form von Holzschnitzereien am Schiffssteven, Schlitten und anderen Gegenständen ablegen.
Daher wurde der Begriff “Berdalstil” auch inzwischen vom “Osebergstil” abgelöst.
Typisch für den Berdal- bzw. Osebergstil ist die bereits erwähnte Greiftierornamentik. Die flächendeckenden Muster bestehen aus kleinwüchsigen Tieren, die in alle Richtungen greifen, und sich dabei auch selbst oder gegenseitig festhalten. Kopf, Brust und Hüfte sind dabei meist überproportional dargestellt.

                                                                                                                                                                                                                                                 
In der zweiten Hälfte des 9. Jh. verbreitete sich der Borrestil , der nach dem Fürstengrab von Borre im südöstlichen Norwegen benannt wurde, und der direkte Nachfolger des Osebergstiles ist.
Er ist die Weiterentwicklung des Berdalstils, aber gleichzeitig auch die zweite und letzte Phase der Greitierornamentik.
Typisch hierfür sind neben den brezelförmig verschlungenen Tieren mit zumeist übergrossen Ohren und frontal dargestellten Köpfen in Dreiecksform auch die aufwendigen Flechtbandornamente. Die Flechtbänder waren häufig mit Ringel- oder Knotenmustern verziert, daneben waren auch Nachahmungen der kontinentalen und insularen Akanthusblätter und Weinrankenmotive zu finden.
Die Anwendung des Borrestils fand im Vergleich zum Berdal-/Osebergstil einen wesentlich breiteren Bereich. Es wurden damit nicht nur Schmuck- oder Prunkgegenstände verziert, sondern auch alltägliche Gegenstände wie z.B. Messergriffe oder Pferdegeschirre.

                                                                                                                                                                        
Abgelöst wurde der Borrestil in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts durch den Jellingstil, mit seinen typischen langgestreckten, S-förmig gebogenen Tierfiguren mit bandartiger Körperkontur und langen Nackenschöpfen. Die Schenkelansätze sind häufig durch Spiralen markiert.
Benannt wurde er nach einem verzierten Silberkelch, den man in einem Königsgrab in Jelling (Dänemark) gefunden hatte.
Interessant am Jellingstil ist seine Ausbreitung, die dazu führte, dass erstmals ein einheitlicher Kunststil im gesamten Norden ausgeführt wurde. Die Grundidee stammt von den britischen Inseln, wo die Wikinger diese Ornamente auf Steindenkmälern kennengelernt hatten.


          
                                                                                                                In der 2. Hälfte des 10. Jh. folgte dann hierauf der Mammenstil, der ähnlich wie der Berdalstil nur vereinzelt auf kostbaren Gegenständen aus Metall oder Horn oder auf Runensteinen gefunden wurde. Seine Blüte erlebte der Mammenstil um die Jahrtausendwende.
Die Darstellung umfasst halbnaturalistische, aufrechstehende Vierfüssler mit floral ausgestalteten Körperauswüchsen. Auch sie besassen häufig einen Nackenschopf, und ihre Mäuler waren meistens weit aufgerissen. Die wesentlichen Elemente des Jellingstils waren hierbei beibehalten worden, lediglich das Schlangenhafte der Tierkörper verschwand.
Gleichzeitig aber fanden Pflanzenornamente ihren Weg zurück, und vegetabile Formen wurden auch als Einzelmotiv dargestellt; die Blattspitzen hatten meist eine aufgebogene Spitze..
Im grossen und ganzen fand hier eine Kombination aus figuraler Ornamentik mit (floralen) Schlingbändern statt.
                                                                           
                                                                                                                                        
Die letzten beiden grossen Stilrichtungen waren schliesslich der Ringerikestil
(1. Hälfte des 11. Jh.), und der Urnesstil (2. Hälfte des 11. Jh.)
Der Ringerikestil ist gekennzeichnet durch schreitende Vierbeiner, unter anderem halbnaturalistische Tiere, die dem Mammenstil ähneln, aber eine straffere Linienführung aufweisen.
Die vegetabile Ornamentik fand hier eine noch stärkere Verwendung.
Ausserdem kam hier noch mehr Symmetrie ins Spiel in Form von achsensymmetrischen Doppelranken, gebündelten Ranken oder Blattsträngen.
Der Urnesstil, der nach einer noch heute an ihrem ursprünglichen Platz in Norwegen stehenden Stabkirche benannt wurde, ist nicht nur durch archäologische Funde (z.B. Münzen) datierbar, sondern ist auch auf einigen Runensteinen der letzten grossen Danegelderhebungen zu finden.
Typisch für ihn waren die grazilen, aufrechtstehenden Vierfüssler und Schlangen mit zugespitzten Köpfen.
Das Kompositionsprinzip bestand aus offenen Achterschlaufen und kreuzförmigen Ornamenten.
Unter dem Ringerikestil sind auch einige Varianten des Urnesstils bekannt geworden.

                                                                                                                                                                                      
                                                            Rigani